[18.6.2015 – 20 Uhr] Peripherie und Ungleichzeitigkeit. Pier Paolo Pasolini, Henri Lefebvre und Jacques Tati als Kritiker des fordistischen Alltags

 

Borgate

Buchvorstellung und Diskussion mit Klaus Ronneberger

Auf den ersten Blick mag es abwegig erscheinen, einen Vergleich zwischen dem Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini, dem Philosophen und Raumtheoretiker Henri Lefebvre sowie dem Regisseur und Satiriker Jacques Tati anzustellen. Beim näheren Hinsehen lässt sich jedoch zwischen den drei Intellektuellen eine Reihe von Gemeinsamkeiten und thematischen Überschneidungen entdecken. Im Kern geht es ihnen um eine grundlegende Kritik an der (fordistischen) Nachkriegsmoderne. Dabei spielen die Phänomene Peripherie und Ungleichzeitigkeit eine wichtige Rolle. Pasolini, Lefebvre und Tati verhandeln das Abseitige und Marginale nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Unterdrückung und Diskriminierung, sondern auch im Sinne eines subversiven Potentials.

Klaus Ronneberger, geboren 1950, studierte Sozialpädagogik, Kulturwissenschaft und Soziologie. Er war langjähriger Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt a. M. und arbeitet dort heute als freier Publizist.

Der Eintritt ist wie immer frei. Für Getränke ist gesorgt.

Laurie Penny “Unsagbare Dinge – Sex, Lügen und Revolution”

Cover PennySchön, wenn einer unserer Lieblingsverlage uns solche Neuerscheinungen beschert. Lauries schlanker Essay “Fleischmarkt – Weibliche Körper im Kapitalismus” hat es 2012 zu einiger Bekanntheit gebracht und ist selbst in manchem Hochglanz-Feuilleton wohlwollend zur Kenntnis genommen worden. Von einem “lebensbejahenden”, “coolen”, “jungen” und “lebendigen” Feminismus war dort oft die Rede und auch wenn diese Prädikate nicht ganz falsch sind, so suggerieren sie doch eine gewisse Niedlichkeit, die Laurie glücklicherweise nicht einlösen kann und will. “Unsagbare Dinge” ist ein angemessen zorniger, radikaler, verdammt gut geschriebener und nicht-nur-queerfeministischer Text, dem wir viele Leser_innen wünschen.

Aus dem Klappentext:

“Laurie Penny zerlegt gnadenlos den modernen Feminismus und die Klassenpolitik, wenn sie von ihren eigenen Erfahrungen als Journalistin, Aktivistin und in der Subkultur berichtet. Es ist ein Buch über Armut und Vorurteile, Online-Dating und Essstörungen, Straßenkämpfe und Fernsehlügen. Der Backlash gegen sexuelle Freiheit für Männer und Frauen und gegen soziale Gerechtigkeit ist unübersehbar – und der Feminismus muss mutiger werden! Laurie Penny spricht für einen Feminismus, der keine Gefangenen macht, dem es um Gerechtigkeit und Gleichheit geht, aber auch um Freiheit für alle. Um die Freiheit zu sein, wer wir sind, zu lieben, wen wir wollen, neue Genderrollen zu erfinden und stolz gegenüber jenen aufzutreten, die uns diese Rechte verweigern wollen. Es ist ein Buch, das jenen eine Stimme gibt, denen das Sprechen verboten wird – eine Stimme, die das Unsagbare ausspricht.”

Laurie Penny
Unsagbare Dinge – Sex, Lügen und Revolution
Aus dem Englischen von Anne Emmert
Edition Nautilus, 288 Seiten, 16,90 €

[8.4.2015] Buchvorstellung – Daniel Bensaïd “Walter Benjamin. Links des Möglichen” – 20 Uhr

Der marxistische Philosoph und Aktivist Daniel Bensaïd (1946-2010) führt 1990 – kurz nach dem Fall der Mauer – einen fiktiven Dialog mit Walter Benjamin über das Verhältnis von jüdischem Messianismus und Revolution. Die Lektüre Benjamins durch Bensaïd bricht mit der orthodoxen philologischen Benjaminrezeption und stellt einen politischen Benjamin vor, der notwendige Ansatzpunkte zur Reformulierung eines revolutionären und strategischen Denkens in einer Periode der Niederlage liefert, als der Neoliberalismus zu triumphieren schien und unvorsichtigerweise das Ende der Geschichte verkündete.

Im Dialog mit Walter Benjamin fordert Bensaïd, sich dem jüdischen Messianismus und dem Ereignis zu öffnen, sich an die Besiegten der Geschichte zu wenden, um sie in die Kräfte der zukünftigen Revolution zu integrieren. Bensaïd ermuntert uns, auf den Moment zu lauern, wo die revolutionäre Abweichung möglich wird, und selbst zu revolutionären Wächtern zu werden.
Bensaïd gehörte in Frankreich zu den zentralen Personen der radikalen Linken. Er war ein beschwingter Philosoph, der den Marxismus auf einer subjektivistischen Grundlage fortschrieb, und ein unermüdlicher Aktivist, der an allen politischen und sozialen Auseinandersetzungen von den Anfängen des Mai 68 bis in seine letzten Lebensmonate beteiligt war. Ebenso war er ein poetischer Schriftsteller, dessen Texte alle Genregrenzen durchbrechen. Er hinterlässt ein Werk von dreißig Bänden, von denen bisher wenig ins Deutsche übersetzt wurden. Darunter befinden sich philosophische Entwürfe, scharfsichtige Analysen und Gebrauchstexte für den politischen Alltag.

Elfriede Müller und Kerstin Schoof werden dialogisch das im März 2015 erschienene Buch und seinen Autor vorstellen.

Der Eintritt ist frei. Für Getränke ist gesorgt.