Flucht und Migration: Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher

In den letzten Wochen wurden wir häufig nach empfehlenswerten Kinder- und Jugendbüchern gefragt, die sich – auch durchaus explizit – mit Flucht, der Lebenswelt von Flüchtlingen und dem europäischen Grenzregime auseinandersetzen.

Wir haben mittlerweile eine kleine Liste zusammengetragen, von Romanen, Bilderbüchern, Reportagen und Graphic Novels, die wir gelungen finden.

Die Altersangaben sind gänzlich unverbindliche Empfehlungen, die Texte zunächst nur Auszüge aus den Klappentexten.

Die Liste wird künftig noch ein wenig ergänzt und umstrukturiert.

Herzliche Grüße aus der Karl Marx Buchhandlung
Verena & Michael


TuckermannAnja Tuckermann & Tine Schulz
Alle da! Unser kunterbuntes Leben
Ab 5 Jahren
978-3-95470-104-9
Klett Kinderbuch Verlag

„Samira ist in einem Boot und einem Lastwagen aus Afrika gekommen. Amad vermisst seine Fußballfreunde im Irak, aber weil dort Krieg war, musste er weg. Jetzt schießt er seine Tore mit neuen Freunden in Düsseldorf. Dilara ist in Berlin geboren, kann aber perfekt türkisch und feiert gerne das Zuckerfest. Ihre Familie kam vor Jahren aus Anatolien, weil es hier Arbeit gab. Wir kommen fast alle von woanders her, wenn man weit genug zurück denkt. Jetzt leben wir alle zusammen hier. Das kann spannend sein und auch manchmal schwierig. Auf jeden Fall wird das Leben bunter, wenn viele verschiedene Menschen von überallher zusammenkommen. Anja Tuckermann und Kristine Schulz zeigen in diesem quirligen Buch, wie reich wir sind!“


 

Susana Gómez Redondo & Sonja Wimmer
Am Tag, als Saída zu uns kam
Übersetzt von Catalina Rojas Hauser
Ab 5 Jahren
978-3-7795-0540-2
Peter Hammer Verlag

Es ist Winter, als Saída ankommt. Sie kommt mit ihrem Koffer und ohne ein Wort. Das Mädchen, das ihre Freundin werden will, beginnt zu suchen. Überall forscht sie nach Saídas Wörtern, sie sucht unter Tischen und zwischen Buntstiften, in Manteltaschen und Heften. Erst als sie versteht, dass Saída ihre Sprache nicht verloren hat, sondern mit ihren Wörtern in diesem frenden Land nichts anfangen kann, beginnen die Mädchen mit dem Tauschen: fremde Wörter gegen eigene, neue Laute gegen vertraute, Schriftzeichen, die wie Blumen aussehen, gegen Buchstaben aus Balken und Kreisen. Über diesem Hin und Her vergeht der Winter und als die Mandelbäume blühen, sind sie Freundinnen, jede reicher durch die Welt der anderen.

 


DuboisClaude K. Dubois
Akim rennt
Übersetzt von Tobias Scheffel
Ab 6 Jahren
978-3-89565-268-4
Moritz

„In Akims Dorf scheint der Krieg weit weg. Irgendwann erreicht er das Dorf am Kuma-Fluss doch: Akim wird von seiner Familie getrennt, ihr Haus zerstört. Eine unbekannte Frau nimmt sich des Jungen an. Dann aber kommen Soldaten und machen ihn zu ihrem Gefangenen. Irgendwann kann Akim fliehen: er rennt und rennt. Im Gebirge stößt er auf andere Flüchtlinge. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Grenzfluss zu überqueren und ein Flüchtlingslager auf der anderen Seite zu erreichen. Und dort passiert ein großes Wunder: Er findet seine Mutter. Dies skizzenhafte Bilderbuch erzählt mit wenig Text, dafür aber in umso eindrücklicheren Bildern eine Geschichte, die das Schicksal so vieler Kinder dieser Welt zeigt.“


GrederArmin Greder
Die Insel
Kindergarten- und Vorschulalter
978-3-7373-5378-6
Fischer Sauerländer

„Ein Fremder wird an den Strand einer Insel gespült. Abgemagert, vertrieben, heimatlos. Die Inselbewohner fürchten sich vor ihm, er ist anders als sie. Nur der Fischer kann die anderen davon abhalten, den Fremden hinaus aufs Meer zurückzuschicken. Doch die Bewohner behandeln ihn menschenunwürdig, geben ihm keine Arbeit und er muss sich von Abfall ernähren. Die Angst vor dem Fremden wächst in ihren Köpfen, der Neuankömmling wird zu einer Bedrohung. Er muss wieder weg. Schließlich setzt ihn die aufgebrachte Menge wieder auf sein seeuntaugliches Floß und schiebt ihn zurück ins Meer!“


KobaldIrena Kobald & Freya Blackwood
Zuhause kann überall sein
Ab 5 Jahren
978-3-86873-757-8
Knesebeck

„Das kleine Mädchen Wildfang musste seine Heimat verlassen und vor dem Krieg in ein fremdes Land fliehen. Alles dort scheint kalt, abweisend und vor allem fremd: die Menschen, die Sprache, das Essen und sogar der Wind. Wildfang möchte sich am liebsten nur noch in ihre geliebte Decke wickeln, die gewebt ist aus Erinnerungen und Gedanken an zuhause. Doch dann trifft sie im Park ein anderes Mädchen, das ihr nach und nach die fremde Sprache beibringt und mit ihr lacht. Und so beginnt Wildfang wieder eine Decke zu weben aus Freundschaft, neuen Worten und neuen Erinnerungen, die sie wärmt und in der sie sich zuhause fühlt.“


MarmonUticha Marmon
Mein Freund Salim
Ab 8 Jahren
978-3-7348-4010-4
Magellan

„Obwohl Hannes und seine Schwester Tammi nicht immer ein Herz und eine Seele sind, halten die Geschwister zusammen, wenn es darauf ankommt. Zum Beispiel wenn eine Geisterbahn für das Schulfest gebaut werden soll. Oder wenn der Vogeljunge plötzlich in ihrem Leben auftaucht und alles durcheinanderwirbelt. Salim heißt er und spricht kein einziges Wort Deutsch. Aber das ist Hannes und Tammi egal, denn für sie steht fest: Freunde müssen nicht dieselbe Sprache sprechen, um einander verstehen zu können. Nach und nach erfahren die beiden, warum Salim immer ganz allein am Schulzaun steht. Sich manchmal in Schränken versteckt. Und warum er so fürchterliche Angst hat. Salim ist ein Flüchtling aus Syrien. Auf dem langen Weg nach Europa hat er das Allerwichtigste verloren: seine Familie.“


TanShaun Tan
Ein neues Land
Ab 12 Jahren
978-3-551-71378-0
Carlsen

„Diese Graphic Novel kommt ohne Worte aus, denn Shaun Tan hat ein außerordentliches Talent in Bildern zu erzählen, und wurde für seinen Animationsfilm „Die Fundsache“ mit einem Oskar ausgezeichnet. „Ein neues Land“ ist die zeitlose Geschichte einer Ankunft in einer fremden neuen Welt und steht für die kleinen und großen Wanderungen im Leben.“

 


HoeraDaniel Höra
Das Schicksal der Sterne
Ab 14 Jahren
978-3-8458-0758-4
Bloomoon

„Adib und Karl. Der eine ein junger Flüchtling aus Afghanistan, der andere ein alter Mann, der in seiner Jugend aus seiner schlesischen Heimat vertrieben wurde. Beide sind geprägt von den Erlebnissen ihrer Flucht und beide haben Verlust, Angst und Verfolgung kennengelernt. Und trotzdem hat keiner von beiden aufgegeben. In Berlin kreuzen sich die Wege von Adib und Karl. Die Geschichte einer besonderen Freundschaft zwischen zwei Menschen, die ein gemeinsames Schicksal teilen, beginnt …“


 

KlementRobert Klement
70 Meilen zum Paradies
Ab 14 Jahren
978-3-7026-5779-6
Jungbrunnen Verlag

„Siad, ein junger Krankenpfleger aus Somalia, und seine Tochter Shara warten in Tunesien gemeinsam mit anderen Flüchtlingen aus Afrika, bis Schlepper sie nach Europa bringen. Ihr Ziel ist Lampedusa, das Tor zu einer Zukunft, von der sie sich Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Schließlich ist es so weit. Mit 55 anderen Flüchtlingen drängen sie sich in einem kleinen, altersschwachen Kutter. Die Reise wird zum Albtraum.“

 


HaldIngeborg Kringeland Hald
Vielleicht dürfen wir bleiben
Übersetzt von Maike Dörries
Ab 11 Jahren
978-3-551-55597-7
Carlsen

„Obwohl seine Flucht aus Bosnien schon fünf Jahre her ist, kann sich Albin noch genau an alles erinnern: an die Soldaten vor der Haustür, an das Blut auf dem Küchenfußboden, an den tagelangen Marsch durch den Wald, die Hitze und den Durst. Jetzt ist Albin elf und lebt in einem sicheren Land, doch wieder ist er auf der Flucht. Um die drohende Abschiebung seiner Familie zu verhindern, ist er abgehauen und versteckt sich in einem fremden Auto, das den Großeltern von Amanda und Lisa gehört. Die Vier sind auf dem Weg in die Ferien.“


TietaVille Tietäväinen
Unsichtbare Hände
Übersetzt von Alexandra Stang
Ab 16 Jahren
978-3-939080-96-1
Avant Verlag

„Für die nächtliche Überfahrt über die nur wenige Kilometer breite Straße von Gibraltar, die Marokko und Spanien, Afrika und Europa, dritte und erste Welt voneinander trennt, verlangen Schlepperorganisationen 2.500 Euro. Für den Tagelöhner und Schneidergehilfen Rashid, der in den Armenvierteln von Tanger um das tägliche Überleben kämpft, ist das der Verdienst von zwei Jahren. Doch die Festung Europa lockt: „Wenn etwas so geschützt ist, muss es wertvoll sein, oder?“ Um seine Familie zu versorgen, begibt sich Rashid auf die „Harraga“, die illegale Einreise in die Europäische Union.
Für seine aufsehenerregende Graphic Novel Unsichtbare Hände hat der finnische Autor und Illustrator Ville Tietäväinen in Marokko und Spanien intensiv recherchiert und mit Flüchtlingen, Schwarzarbeitern, Grenzbeamten und Menschenhändlern gesprochen.“


EggersDave Eggers
Weit Gegangen
Das Leben des Valentino Achak Deng
Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann
Ab 16 Jahren
978-3-462-04203-0
Kiepenheuer & Witsch

„Mit sieben Jahren verliert Valentino alles, seine Familie, seine Freunde und seine Heimat, den Sudan. Er flieht mit Tausenden von anderen Kindern über Äthiopien nach Kenia, von wo aus er schließlich in die USA gelangt. Was Valentino dabei erlebt, ist kaum zu beschreiben. Umso erstaunlicher ist, mit wie viel Wärme, Zuversicht und sogar Humor er davon erzählt. Dave Eggers hat seine Geschichte in einem bewegenden Roman festgehalten.“

 


GattiFabrizio Gatti
Bilal
Als Illegaler auf dem Weg nach Europa
Übersetzt von Friederike Hausmann & Rita Seuß
Ab 16 Jahren
978-3-499-62722-4
Rowohlt

„Bilal ist ein Illegaler, unterwegs auf der berüchtigten Transitroute vom Senegal nach Libyen und weiter zur Insel Lampedusa. Bilal ist der renommierte Journalist Fabrizio Gatti, der sich als Migrant unter die anderen gemischt hat, um zu erleben, was sie erleben. Auf klapprigen Lastwagen durchqueren sie zu Hunderten die Sahara, unter unvorstellbaren Entbehrungen begeben sie sich auf einen Schreckensweg, der in Europa meist in einer Art von Sklaverei endet.“


BenJellounTahar Ben Jelloun
Verlassen
Übersetzt von Christiane Kayser
Ab 16 Jahren
978-3-8333-0948-9
Berlin Verlag Taschenbuch

„Tanger verlassen – das ist die Obsession in den Köpfen einer ganzen Generation. Bei schönem Wetter sieht man hinüber zur spanischen Küste. Auch Azel träumt sich hinüber in die „Festung Europa“. Nach einem Jurastudium hat er keine Aussicht auf einen Job. Er glaubt, einen sicheren Fluchtweg gefunden zu haben, doch die Hölle aus Armut, Korruption und Demütigung, die er in Marokko hinter sich lässt, ist nur das Spiegelbild der anderen Hölle, die ihn erwartet: Einsamkeit, Prostitution und der Verlust seiner Würde in der Emigration.“


NdioneAbasse Ndione
Die Piroge
Übersetzt von Margret Millischer
Ab 16 Jahren
978-3-88747-306-8
Transit Berlin

„Dreißig Afrikaner, Frauen, Männer, Jugendliche, die aus verschiedenen Dörfern im Landesinneren Senegals kommen und noch nie das Meer gesehen haben, wollen aus dem afrikanischen Elend auf die Kanarischen Inseln und nach Europa fliehen. Sie verabschieden sich von ihren Familien und stehen dann nach einer langen Busfahrt ängstlich am Strand, beobachten das Meer und sehen zum ersten Mal auch das Schiff, eine Piroge, die dem Fischer Baye Laye gehört. Während der langen Überfahrt, auf der sie sich langsam kennenlernen, steigern sie sich bei zunächst gutem Wetter in unglaubliche Erwartungen, was ihre Zukunft in Europa betrifft. Doch es zieht ein fürchterlichen Sturm herauf, sie verlieren den Fischer, ihren Kapitän, und das Boot wird schwer beschädigt. Sie sind verzweifelt, aber da naht ein Schiff…“

[10.02.16 – 20 Uhr] Kitchen Politics – Buchvorstellung und Diskussion mit Felicita Reuschling und Susanne Schultz

kitchenpoliticsCare*AK Frankfurt proudly presents

Buchvorstellung und Diskussion mit Felicita Reuschling und Susanne Schultz

Kitchen Politics (Hg.): Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit. Biotechnologie, Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert

Der dritte Band der Reihe Kitchen Politics – Queerfeministische Interventionen “Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit ist eine feministisch und marxistisch inspirierte Analyse des globalen Marktes für Reproduktionstechnologien von den Autorinnen Melinda Cooper und Catherine Waldby. Für sie ist dieses Projekt Ausgangspunkt grundlegender Analysen der aktuellen Transformationen von Arbeit, Reproduktion und Familie.

Das Buch dokumentiert sowohl einführende als auch neue vertiefende Arbeiten. Felicita Reuschling und Susanne Schultz von Kitchen Politics diskutieren […], wie politische Kämpfe innerhalb und jenseits von Arbeitsverhältnissen aussehen könnten, beziehen die aktuelle deutsche Gemengelage mit ein und reflektieren, welche Auswirkungen der kapitalistische Realismus auf die Lebbarkeit utopischer Lebensformen hat.” (www.edition-assemblage.de/sie-nennen-es-leben-wir-nennen-es-arbeit)

Der Care*AK Frankfurt setzt sich seit 2014 kritisch mit Debatten und politischen Interventionen rund um Reproduktions- und Carearbeiten im bundesdeutschen Kontext auseinander. Mehr Infos: http://careakfrankfurt.jimdo.com/

Mit feministischer Unterstützung durch das AFLR FFM und die Karl Marx Buchhandlung

[4.2.2016 – 20 Uhr] Der AfE-Turm zwischen Kitsch und Kritik – Buchvorstellung und Diskussion

flyer_swDie groteske Gefühlsmischung aus Trauer, Wehmut, Freude, Jubel und Genugtuung mit welcher der AfE-Turm am 02. Februar 2014 gesprengt wurde wird vielen, die an diesem Morgen ihren Weg zum Campus Bockenheim gefunden haben noch lang im Gedächtnis bleiben. In gewisser Weise stand die Sprengung sinnbildlich dafür, was der AfE-Turm war – ein umkämpfter und ambivalenter Ort auf der Grenze zwischen Bockenheim und Westend. An Verklärungen, Zuschreibungen und Narrativen rund um den Turm hat es nicht gemangelt: die Erzählungen schwanken zwischen Symbol der Kritischen Theorie auf der einen, zerfallenes und dreckiges Seminargebäude auf der anderen Seite; Relikt einer ‚demokratischen Architektur’ auf der einen, brutalistisches Betonmonstrum auf der anderen Seite; Zentrum des studentischen Protests auf der einen, anachronistisches Überbleibsel des alten Bildungssystems auf der anderen. Die Aufzählungen ließen sich beliebig fortsetzen und stellen jeweils zwei Seiten einer Medaille dar.

Im Anschluss an die Veröffentlichung des Sammelbandes „Turmgeschichten: Raumerfahrung und -aneignung im AfE-Turm“, herausgegeben von Minna Kristiina Ruokonen-Engler, Lucas Pohl, Anna Dichtl, Jessica Lütgens und David Schommer, möchten wir einen Blick auf beide Seiten des Turms werfen und diskutieren, wie diese in ihrer jeweiligen Spezifik aber auch Gemeinsamkeit zu denken sind.

Gemeinsam mit Norma Schneider, Katharina Rhein und Daniel Keil – allesamt Autor_innen des Buches – gilt es die kitschig-nostalgischen, sowie die kritisch-progressiven Facetten des Turms herauszustreichen und infrage zu stellen.

Moderiert wird die Veranstaltung von Jessica Lütgens und Lucas Pohl

[10.12.2015 – 20 Uhr] Europas Grenzen. Release Party der neuen Freien Assoziation

faWährend an den Außengrenzen der Europäischen Union Geflüchtete aus Afrika und dem vorderen Orient zu Tausenden sterben, finden diejenigen, die es über die Meere und Stacheldrahtzäune geschafft haben, im Inneren der »Festung Europa« keineswegs Ruhe und Sicherheit, sondern sind von rassistischen Demütigungen, Gewalt und Abschiebung bedroht. Statt auf Hilfe beim Umgang mit ihren flucht- und verfolgungsbedingten seelischen Verletzungen stoßen sie auf oftmals retraumatisierende Zumutungen.

In der ersten Ausgabe der Freien Assoziation unter dem Titel »Festung Europa« wurden die europäischen Außengrenzen und der behördliche Umgang mit Geflüchteten in den Blick genommen; das zweite Heft widmet sich den konformistischen Rebell_innen in der Bevölkerung in ihren Ressentiments. Der Begriff der »konformistischen Rebellion« rekurriert auf die schon in Fromms sozialpsychologischer Studie zu »Autorität und Familie« (1936) gemachten Überlegungen zum Zusammenhang von Autoritarismus und Rebellion, wonach die autoritäre Lösung des Ambivalenzkonflikts mit elterlichen und gesellschaftlichen Autoritäten und generell des Unbehagens in der bürgerlichen Gesellschaft darin besteht, Schwächere als Ersatzobjekte für die als zu mächtig erlebten Autoritäten zu bestimmen und zu verfolgen – statt gegen die gesellschaftlichen Autoritäten anzukämpfen und die gesellschaftlichen Bedingungen im Hinblick auf eine freiere Gesellschaft zu verändern.

Seit dem Jahr 2015 erscheint die Zeitschrift Freie Assoziation unter neuer Herausgeber_innenschaft von Markus Brunner, Rolf Haubl, Christine Kirchhoff, Julia König, Jan Lohl, Tom D. Uhlig und Sebastian Winter als Publikationsorgan der Gesellschaft für psychoanalytische Sozialpsychologie (GfpS). Anlässlich der ersten beiden erschienenen Hefte der „neuen“ Freien Assoziation mit den Schwerpunkten „Festung Europa“ 1/2015 und „Konformistische Rebellion“ 2/2015 lädt die Karl Marx Buchhandlung zur Release Veranstaltung ein.

Maximilian Pichl wird zu seinem gemeinsam mit Katharina Vester verfassten Beitrag „Auf den Spuren eines Urteils. Der Hirsio-Fall und das Projekt der Menschenrechte in der Moderne“ aus der Freien Assoziation 1/2015 referieren und Daniel Keil wird nicht zuletzt auf der Grundlage seiner Kommentare „Europas Grenzen. Ein kurzer frei assoziierter Kommentar“ in 1/2015 und „Botschaften aus der Vorhölle. Pegida und die Wiederbelegung des Völkischen“ in 2/2015 den Bogen von den Außengrenzen Europas zu den inneren Grenzen schlagen und Thesen zu Pegida diskutieren.

Zudem ist die Fotoausstellung von Christian Schuller zu besichtigen, der die Ausstellung „Raus von hier“ der Initiative Faites votre jeu! im ehemaligen Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße für die Freie Assoziation 1/2015 fotografiert hat.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!