[10.12.2015 — 20 Uhr] Euro­pas Gren­zen. Release Par­ty der neu­en Frei­en Asso­zia­ti­on

faWäh­rend an den Außen­gren­zen der Euro­päi­schen Uni­on Geflüch­te­te aus Afri­ka und dem vor­de­ren Ori­ent zu Tau­sen­den ster­ben, fin­den die­je­ni­gen, die es über die Mee­re und Sta­chel­draht­zäu­ne geschafft haben, im Inne­ren der »Fes­tung Euro­pa« kei­nes­wegs Ruhe und Sicher­heit, son­dern sind von ras­sis­ti­schen Demü­ti­gun­gen, Gewalt und Abschie­bung bedroht. Statt auf Hil­fe beim Umgang mit ihren flucht- und ver­fol­gungs­be­ding­ten see­li­schen Ver­let­zun­gen sto­ßen sie auf oft­mals retrau­ma­ti­sie­ren­de Zumu­tun­gen.

In der ers­ten Aus­ga­be der Frei­en Asso­zia­ti­on unter dem Titel »Fes­tung Euro­pa« wur­den die euro­päi­schen Außen­gren­zen und der behörd­li­che Umgang mit Geflüch­te­ten in den Blick genom­men; das zwei­te Heft wid­met sich den kon­for­mis­ti­schen Rebell_innen in der Bevöl­ke­rung in ihren Res­sen­ti­ments. Der Begriff der »kon­for­mis­ti­schen Rebel­li­on« rekur­riert auf die schon in Fromms sozi­al­psy­cho­lo­gi­scher Stu­die zu »Auto­ri­tät und Fami­lie« (1936) gemach­ten Über­le­gun­gen zum Zusam­men­hang von Auto­ri­ta­ris­mus und Rebel­li­on, wonach die auto­ri­tä­re Lösung des Ambi­va­lenz­kon­flikts mit elter­li­chen und gesell­schaft­li­chen Auto­ri­tä­ten und gene­rell des Unbe­ha­gens in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft dar­in besteht, Schwä­che­re als Ersatz­ob­jek­te für die als zu mäch­tig erleb­ten Auto­ri­tä­ten zu bestim­men und zu ver­fol­gen – statt gegen die gesell­schaft­li­chen Auto­ri­tä­ten anzu­kämp­fen und die gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen im Hin­blick auf eine freie­re Gesell­schaft zu ver­än­dern.

Seit dem Jahr 2015 erscheint die Zeit­schrift Freie Asso­zia­ti­on unter neu­er Herausgeber_innenschaft von Mar­kus Brun­ner, Rolf Haubl, Chris­ti­ne Kirch­hoff, Julia König, Jan Lohl, Tom D. Uhl­ig und Sebas­ti­an Win­ter als Publi­ka­ti­ons­or­gan der Gesell­schaft für psy­cho­ana­ly­ti­sche Sozi­al­psy­cho­lo­gie (GfpS). Anläss­lich der ers­ten bei­den erschie­ne­nen Hef­te der „neu­en“ Frei­en Asso­zia­ti­on mit den Schwer­punk­ten „Fes­tung Euro­pa“ 1/2015 und „Kon­for­mis­ti­sche Rebel­li­on“ 2/2015 lädt die Karl Marx Buch­hand­lung zur Release Ver­an­stal­tung ein.

Maxi­mi­li­an Pichl wird zu sei­nem gemein­sam mit Katha­ri­na Ves­ter ver­fass­ten Bei­trag „Auf den Spu­ren eines Urteils. Der Hir­sio-Fall und das Pro­jekt der Men­schen­rech­te in der Moder­ne“ aus der Frei­en Asso­zia­ti­on 1/2015 refe­rie­ren und Dani­el Keil wird nicht zuletzt auf der Grund­la­ge sei­ner Kom­men­ta­re „Euro­pas Gren­zen. Ein kur­zer frei asso­zi­ier­ter Kom­men­tar“ in 1/2015 und „Bot­schaf­ten aus der Vor­höl­le. Pegi­da und die Wie­der­be­le­gung des Völ­ki­schen“ in 2/2015 den Bogen von den Außen­gren­zen Euro­pas zu den inne­ren Gren­zen schla­gen und The­sen zu Pegi­da dis­ku­tie­ren.

Zudem ist die Foto­aus­stel­lung von Chris­ti­an Schul­ler zu besich­ti­gen, der die Aus­stel­lung „Raus von hier“ der Initia­ti­ve Fai­tes vot­re jeu! im ehe­ma­li­gen Poli­zei­ge­fäng­nis in der Klap­per­feld­stra­ße für die Freie Asso­zia­ti­on 1/2015 foto­gra­fiert hat.

Alle Inter­es­sier­ten sind herz­lich ein­ge­la­den!

[18.6.2015 — 20 Uhr] Peri­phe­rie und Ungleich­zei­tig­keit. Pier Pao­lo Paso­li­ni, Hen­ri Lefeb­v­re und Jac­ques Tati als Kri­ti­ker des for­dis­ti­schen All­tags

 

Borgate

Buch­vor­stel­lung und Dis­kus­si­on mit Klaus Ron­ne­ber­ger

Auf den ers­ten Blick mag es abwe­gig erschei­nen, einen Ver­gleich zwi­schen dem Schrift­stel­ler und Fil­me­ma­cher Pier Pao­lo Paso­li­ni, dem Phi­lo­so­phen und Raum­theo­re­ti­ker Hen­ri Lefeb­v­re sowie dem Regis­seur und Sati­ri­ker Jac­ques Tati anzu­stel­len. Beim nähe­ren Hin­se­hen lässt sich jedoch zwi­schen den drei Intel­lek­tu­el­len eine Rei­he von Gemein­sam­kei­ten und the­ma­ti­schen Über­schnei­dun­gen ent­de­cken. Im Kern geht es ihnen um eine grund­le­gen­de Kri­tik an der (for­dis­ti­schen) Nach­kriegs­mo­der­ne. Dabei spie­len die Phä­no­me­ne Peri­phe­rie und Ungleich­zei­tig­keit eine wich­ti­ge Rol­le. Paso­li­ni, Lefeb­v­re und Tati ver­han­deln das Absei­ti­ge und Mar­gi­na­le nicht nur unter dem Gesichts­punkt von Unter­drü­ckung und Dis­kri­mi­nie­rung, son­dern auch im Sin­ne eines sub­ver­si­ven Poten­ti­als.

Klaus Ron­ne­ber­ger, gebo­ren 1950, stu­dier­te Sozi­al­päd­ago­gik, Kul­tur­wis­sen­schaft und Sozio­lo­gie. Er war lang­jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter des Insti­tuts für Sozi­al­for­schung in Frank­furt a. M. und arbei­tet dort heu­te als frei­er Publi­zist.

Der Ein­tritt ist wie immer frei. Für Geträn­ke ist gesorgt.