[18.1.2018 — 20 Uhr] Buch­vor­stel­lung: Wohn­raum für alle?! Per­spek­ti­ven auf Pla­nung, Poli­tik und Archi­tek­tur

Seit Jah­ren stei­gen Mie­ten und Woh­nungs­prei­se vor allem in wach­sen­den Städ­ten und Regio­nen Deutsch­lands. Güns­ti­ger Wohn­raum ist zuneh­mend knapp und gera­de unte­re und mitt­le­re Ein­kom­mens­grup­pen sind von hohen Wohn­kos­ten belas­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund erör­tern drei Autor/innen des Sam­mel­ban­des (Bernd Beli­na, Susan­ne Heeg und Sebas­ti­an Schip­per) die Grün­de für die Wie­der­kehr der Woh­nungs­fra­ge und erkun­den Stra­te­gien, mit denen bezahl­ba­rer Wohn­raum für alle geschaf­fen wer­den kann.

Bernd Beli­na ist Pro­fes­sor für Human­geo­gra­phie an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main. Sei­ne For­schungs­schwer­punk­te sind der his­to­risch-geo­gra­phi­sche Mate­ria­lis­mus, Stadt­geo­gra­phie, Poli­ti­sche Geo­gra­phie und Kri­ti­sche Kri­mi­no­lo­gie.

Susan­ne Heeg ist Pro­fes­so­rin für Human­geo­gra­phie an der Goe­the-Uni­ver­si­tät in Frank­furt am Main. Ihre For­schungs­schwer­punk­te sind Stadt­öko­no­mie und Stadt­pla­nung.

Sebas­ti­an Schip­per ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Insti­tut für Human­geo­gra­phie an der Goe­the-Uni­ver­si­tät in Frank­furt am Main. Sei­ne For­schungs­schwer­punk­te sind Stadt­po­li­tik, Poli­ti­sche Öko­no­mie des Woh­nens, Gen­tri­fi­zie­rung und städ­ti­sche sozia­le Bewe­gun­gen.

Der Ein­tritt ist — wie immer — frei. Wir freu­en uns auf Euch und die­sen Abend.

[3.7.2017 — 20 Uhr] Kirs­ten Ach­te­lik “Selbst­be­stimm­te Norm. Femi­nis­mus, Prä­na­tal­dia­gnos­tik, Abtrei­bung” — Buch­vor­stel­lung und Dis­kus­si­on

Selbst­be­stim­mung ist eine der zen­tra­len For­de­run­gen sozia­ler Bewe­gun­gen im Anschluss an die Revol­ten der 1960er Jah­re gewe­sen. Ins­be­son­de­re die Frau­en­be­we­gung und – all­zu oft ver­ges­sen – die Behin­der­ten­be­we­gung haben sich an der Aus­ge­stal­tung die­ser For­de­rung abge­ar­bei­tet. Selbst­be­stim­mung über die eige­nen repro­duk­ti­ven Mög­lich­kei­ten aus femi­nis­ti­scher Sicht und Selbst­be­stim­mung über ein Leben mit Behin­de­rung kön­nen jedoch in Wider­spruch zuein­an­der tre­ten.
Kirs­ten Ach­te­lik nimmt in ihrem Buch „Selbst­be­stimm­te Norm. Femi­nis­mus, Prä­na­tal­dia­gnos­tik, Abtrei­bung“ die his­to­ri­sche Pha­se nach Been­di­gung der mör­de­ri­schen Euge­nik im Natio­nal­so­zia­lis­mus in den Blick. In der Bun­des­re­pu­blik wur­den zuneh­mend moder­ni­sier­te und indi­vi­dua­li­sier­te Argu­men­te zur Begün­dung von selek­ti­ver Prä­na­tal­dia­gnos­tik ver­wen­det – Selbst­be­stim­mung, Eigen­ver­ant­wor­tung und die Ver­hin­de­rung von Leid. Die ver­meint­lich freie, indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung führt in Kom­bi­na­ti­on mit gesell­schaft­li­cher Behin­der­ten­feind­lich­keit (Ableism) zu der immer glei­chen Ent­schei­dung: Etwa neun von zehn Frau­en ent­schei­den sich heu­te bei der Dia­gno­se „Tri­so­mie 21“ zum Schwan­ger­schafts­ab­bruch.
Ach­te­lik setzt der selek­ti­ven prä­na­ta­len Suche nach Behin­de­rung eine „Selbst­be­stim­mung ohne Selek­ti­on“ ent­ge­gen. Wie die­se aus­se­hen kann und wel­che Fall­stri­cke die­se Debat­te ent­hält, dar­über dis­ku­tie­ren wir mit der Autorin anläss­lich ihrer Buch­vor­stel­lung.

Kirs­ten Ach­te­lik ist Diplom-Sozi­al­wis­sen­schaft­le­rin und lebt als freie Jour­na­lis­tin und Autorin in Ber­lin. Sie ist poli­tisch an den Schnitt­stel­len der femi­nis­ti­schen, anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen und Behin­der­ten­be­we­gung aktiv.

[22.05.2017 — 20 Uhr] Dani­el Ben­saïd „Ein unge­dul­di­ges Leben“ — Buch­vor­stel­lung und Lesung mit Elfrie­de Mül­ler und Kers­tin Schoof

Radi­ka­le Lin­ke und Gesell­schaft im Frank­reich der Nach­kriegs­zeit

Dani­el Ben­saïd schil­dert in sei­ner poli­ti­schen Bio­gra­phie den Wer­de­gang der Neu­en Lin­ken in Frank­reich und Latein­ame­ri­ka. Die­se ging und geht ganz ande­re Wege als die deut­sche Lin­ke – was das Buch jen­seits des Bio­gra­phi­schen zu einer erhel­len­den Lek­tü­re macht.

Der Akti­vist und Phi­lo­soph erzählt in „Ein unge­dul­di­ges Leben“ (Lai­ka Ver­lag, 2016) sei­ne packen­de poli­ti­sche Bio­gra­phie, in der sich Indi­vi­du­um und Kol­lek­tiv, Theo­rie und Pra­xis über­schnei­den, wider­spre­chen und ver­söh­nen. Das „Ich“ und das „Wir“, die per­sön­li­chen und die geteil­ten Erfah­run­gen, zeu­gen von einem poli­ti­schen Leben, das im Frank­reich der 60er Jah­re beginnt.

Die Jugend in einem von den Spa­ni­schen Repu­bli­ka­nern gepräg­ten Tou­lou­se als Sohn eines Pro­fi­bo­xers aus Oran, der Beginn der 68er-Bewe­gung in der fran­zö­si­schen Pro­vinz und in Paris, die schmerz­haf­te Erfah­rung der argen­ti­ni­schen Lin­ken, die Neulek­tü­re von Marx: Unter­schied­lichs­te Facet­ten eines beweg­ten Lebens. Aus der Per­spek­ti­ve eines Akteurs bli­cken wir auf welt­wei­te poli­ti­sche Ereig­nis­se wie der Alge­ri­en­krieg und die anti­ko­lo­nia­le Soli­da­ri­täts­be­we­gung dage­gen, die durch den Pro­test gegen den Viet­nam­krieg wei­ter befeu­ert wur­de. Dar­aus ent­stand in Frank­reich eine Lin­ke, die im Mai 1968 in Frank­reich eine fast revo­lu­tio­nä­re Situa­ti­on pro­vo­zier­te. Den­noch han­delt es sich nicht um eine nost­al­gi­sche Rück­schau auf längst ver­gan­ge­ne Zei­ten. Greif­bar wird dies im mehr denn je not­wen­di­gen anti­fa­schis­ti­schen Kampf gegen Strö­mun­gen wie den Front Natio­nal, der Ben­saïds Bericht auch für die heu­ti­ge poli­ti­sche Situa­ti­on bedeut­sam macht.

Elfrie­de Mül­ler (Über­set­ze­rin des Ban­des, jour fixe initia­ti­ve ber­lin) und Kers­tin Schoof (Lek­to­rin) stel­len die Aus­ein­an­der­set­zun­gen, The­men und Ent­wick­lun­gen der fran­zö­si­schen radi­ka­len Lin­ken von 1960–2010 vor und lesen ent­spre­chen­de Aus­zü­ge aus der Auto­bio­gra­phie.

Bio­gra­phie:
Dani­el Ben­saïd (1946–2010) lehr­te Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Paris VIII (Saint-Denis), war Mit­be­grün­der meh­re­rer links­ra­di­ka­ler Orga­ni­sa­tio­nen (JCR, LCR, NPA) und ver­such­te sein poli­ti­sches Leben lang – nach der sta­li­nis­ti­schen Tra­gö­die und dem Tri­umph der Waren­ge­sell­schaft – die Hie­ro­gly­phen die­ser Gesell­schaft zu ent­zif­fern und eine eman­zi­pa­to­ri­sche Per­spek­ti­ve auf­recht zu erhal­ten.